Schweizer Meisterschaft Korsar

Lago Maggiore

 

Voller Erwartung und Übermut fuhren wir bereits am Donnerstag den 9.08.2001 um 4.00 Uhr morgens Richtung Lago Maggiore. Meine in der Schweiz bis jetzt gesegelten Regatten waren von der Organisation und Veranstaltung her einfach traumhaft und so durften wir uns auf eine wohl einmalige Schweizer Meisterschaft freuen.

An der schweizer Grenze angekommen bekamen wir die Gründlichkeit der Eidgenossen das erste mal zu spüren. Auch für den Hänger heißt es Vignette kleben. (40 Franken). Naja was solls. Um 8.30 Uhr erreichten wir exakt nach Plan Locarno. Unser erster Weg führte uns zu einem Parkplatz welcher uns mittels Karte zugesandt wurde auf dem wir unser Schiff bis zu den Abendstunden abstellen konnten. Die Meisterschaft begann ja erst am Freitag. Auf gings zu einer wunderbaren Tour in ein Tessiner Seitental. Wunderbare Schiefer Felsen, traumhafte Steinhäuser, beeindruckende Staumauern und wunderschöne türkiesschimmernde Gebirgsflüsse machten diesen Nachmittag zu einem beeindruckenden Erlebnis. Natürlich durfte auch ein Gläßchen Wein nicht fehlen.

Um ca. 18.00 Uhr fuhren wir zum Delta - Campingplatz der für die nächsten drei Tage unser Ausgangspunkt sein sollte.Wir bekamen einen ausgezeichneten großzügigen Platz zugewiesen der uns allen gefiel. Er hatte aber auch seinen Preis. Allein die Reservierungsgebühr betrug 50 Franken. Ach doch nicht den Tag vermiesen lassen, doch es kam noch dicker. Uns wurde mitgeteilt, daß wir das Boot erst am nächsten Tag in den uns zugeteilten Hafen legen könnten. Dies ist wohl ein Scherz dachten wir. Der Slipplatz für Korsare ist im 12 km entfernten Bresaggio. Wer also unseren Hänger kennt der weiß, daß wir zuerst das Schiff ausladen müssen um dann eine Plane einziehen zu können welche uns eine geräumige Unterkunft bietet. Also meinten die Zuständigen wir sollen das Boot aus dem Hänger laden und am nächsten Tag wieder einladen. Das ginge aber wirklich zuweit. Wir beschlossen auf eigene Faust den Slipplatz zu suchen. Vielleicht hätten wir Glück und könnten unser Schiff doch heute noch an seinem Bestimmungsort ausladen. Nach einer perfekten Wegbeschreibung fanden wir nach ca. 15 min. Fahrzeit die Hafenabfahrt. Mit unserem ca 5,50x 2,05m breiten Hänger bogen wir zielstrebig in die eingezeichnete Straße Richtung See ab. Doch stopp!!!! Sackgasse, 13% Steigung und nach ca. 30m eine enge Haarnadelkurve. Da sind wir falsch und bevor wir irgendwo mit unserem Hänger feststeckten lotste mich Andi wieder zurück auf die Hauptstraße. Das war wohl die falsche Einfahrt. Der Hauptstraße folgend versuchten wir nun die richtige Abfahrt zu finden. Die Ortschaft war jedoch bald aus und wir kamen zum Entschluß, daß es vielleicht doch die richtige Abfahrt war. Auf ein neues. Eingebogen in die Bergstraße zum See versicherte sich Andi zuerst ob wir nach der engen Haarnadelkurve auch noch irgendwo hinkommen. Ja!!! ganz unten am See lag ein kleiner Parkplatz auf dem bereits ca. 8 Korsare standen. Ein umdrehen ist da unten nicht möglich aber hinunter müssen wir da sind wir richtig. Nachdem wir uns irgendwie hinuntergezwängt hatten begannen wir den Hänger zu entladen. Mit vereinten Kräften gelang es uns dann das Auto samt Hänger wieder in eine vernünftige Position zu bringen damit wir den Weg den wir herunter kamen auch wieder hinauffahren konnten. Das kann beim Heimfahren ja heiter werden. Viele Boote dürfen nicht mehr kommen dann gibts Platzprobleme. Ohne Schiff war es nun an der Zeit am Campingplatz das Lager aufzuschlagen.

Den Abend genoßen wir nach einem Bad bei 22° im Lago in Locarno wo zur selben Zeit die Filmfestspiele stattfanden. Am nächsten Morgen war schwimmen angesagt und gegen 11.00 Uhr fuhren wir nach Brisaggio um das Schiff regattafähig zu machen. Steuermannsbesprechung, Tschuldigung, Skippermeeting war um 12.30 im ca. 1,5 km entfernten Hafen wo sich die O-Jollen niederließen. 21 gemeldete Korsare davon 5 Schweizer und 5 Österrreicher waren das erfreuliche Regattafeld. Leider kam es an diesem Tag zu keiner Wettfahrt, da uns der Wind im Stich lies. Nun hatten wir jede Menge Zeit sich mit den anderen Seglern zu unterhalten. Auch schön. besonders bei diesem Wetter. Zwischendurch ein Sprung ins Wasser und der Nachmittag war gerettet. Abends ging es ins 4 km entfernte Italien nach Cannubio. Halbe Preise und wunderbarer Wein versüßten uns die laue Sommernacht.

Am nächsten Tag war um 9.30 Uhr Weinverkostung. Diese mußten wir aus segeltaktischen Gründen auslassen dennwirhatten ja einiges vor und wie jeder weiß macht zuviel Wein das Konzentrationsvemögen nicht besser. Um 15.30 war es dann soweit. Wir liefen bei sehr wenig Wind aus zur ersten Wettfahrt. Ca. eine Stunde versuchte die Startmannschaft mittels einer wahrscheinlich neuen Erfindung eine exakt dem Wind entsprechende Startlinie auszulegen. Endlich geschafft, die Linie stimmt zwar nicht, aber wir starten. Es wurde uns jetzt auch klar warum die Black-Flagg bei jedem Start galt. Das Feld war vom Start weg immer sehr geschlossen und so entstanden laufend spannende Positionskämpfe. Eine Wettfahrt im Kasten wenn auch bei wenig Wind. Als 9. konnten wir für den Anfang mehr als zufrieden sein. Die Zweite Wettfahrt war eine Katastrophe. Linie lag falsch, Start versaut, als letzter über die Linie und dann noch kein Wind. Das kann heiter werden. Wir fühlten uns wie noch nie bei einer Regatta dabei gewesen. Um dem Füßeeinschlafen ein Ende zu bereiten bewegten wir uns ab und zu von einer Seite auf die Andere. Mit einer Stunde Verspätung wurde diese Wettfahrt dann abgeschossen. Endlich! Es war bei einigen Seglern etwas Verärgerung zu spüren da am Morgen ein etwas starker und böiger aber durchaus segelbarer Wind blies.

Am Abend gab es dann bei Musik Nudeln mit Fleischsugo. Sogar eine Flasche Rotwein (für acht Personen, ja da sind sie genau) wurde spendiert. Alle restlichen Getränke waren nicht frei. Wir nützten den restlichen Abend nochmals zu einem Trip nach Italien. Am Sonntag mußten wir bereits um 7.30 Uhr auf, da wir zuerst den Hänger abbauen mußten, um um neun Uhr Startbereit zu sein. Wir liefen auch sofort aus, um bei nichtsegelbarem Nordwind ( laut Aussage der Wettfahrtleitung) eine sehr schöne Wettfahrt zu segeln. Ein absolut schlecht gelegte Startlinie verschaffte uns eine optimale Ausgangsposition. Ein perfekter Start knapp an der Tonne und wir hatten das einmalige Gefühl mit drei weiteren Booten vom Start weg vorne mitzusegeln. Echt super! Wir kämpften uns bei der letzten Twarsboje durch ein geschicktes Bojenmanöver noch auf den zweiten Platz vor den wir bis ins Ziel verteidigen konnten. Jubel!!!!!! Bei der nächsten Wettfahrt entschied sich der Wind auf ein Einschlafen. Diese mußte abgeschossen werden. Mittagspause. Wir hatten viel zu lachen.

In dem kleinen Restaurant an der Promenade in welchem einige Segler aßen war die Wirtin ganz erschrocken als wir vier alle etwas anderes bestellten. Es könnte eine weile dauern wenn wir alle etwas anderes wollen war Ihre Aussage. Wir haben Zeit sagten wir mit einem Lächeln im Gesicht. Es gab auch Tische auf denen man nur etwas Essen durfte und welche auf denen man nur etwas zu trinken bekam. Tja die Schweiz machts möglich. Was ist das Wind von Süden, der Wind von dem die Schweizer immer reden? Ja. Wir starteten noch zwei Wettfahrten bei einigermaßen schönem Südwind. Ein 7. und 8. Platz komplettierten unsere super Serie. Der Wettfahrtleiter dürfte vor lauter Südwind vergessen haben, daß bis max. um 16.00 Uhr eine Wettfahrt angeschossen werden durfte, und wollte gar nicht mehr aufhören. Nach einigen Protesten entschloß er sich dann aber doch auf eine Beendigung der Wettfahrtserie.

Nun ging das große Rechnen los. Alle waren so dicht aufeinnander. Welche Platzierung würde es am Ende sein? Es war der für uns sensationelle 5. Platz. Wir waren natürlich überglücklich als bester Österreicher diese Schweizer Meisterschaft zu beenden. Bis wir in Locarno abfuhren war es 20.00 Uhr. Mit einem Zwischenstopp in Bregenz zu einem kleine Jubelessen kamen wir gegen 01.30 Uhr in Reutte an. Ein trotz all den kleinen Problemchen schönes Segelwochenende, an das wir uns sicher lange erinnern werden, geht somit wieder zu ende.

 

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Letzte Aktualisierung: 14.05.2008
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