Der etwas andere Bericht

(von Christian Maier)

 

Hallo Segelfreunde!

Da ich ja seit September letzten Jahres in Spanien bin bleibt mir als einziger Kontakt zum Reuttener Segeln die Homepage. Auf dieser hat sich in letzter Zeit recht wenig geregt; -na wie soll sich auch, bei euch liegt ja fast noch Schnee. Deshalb hab ich mir gedacht ich schreib mal ein bisschen.

Da unsere Uni eine Yacht besitzt war es klar dass ich mich fürs Regattateam beworben habe. Leider erst im März, da die Yacht vorher zwecks einer größeren Reparatur an Land war. Das Schiff ist eine First 40.7 Regattaversion, knapp 12 m lang, 2,4m Tiefgang und nur ca. 5,6 t Verdrängung versprechen ansprechendes Segelvergnügen. Rollsegel gibt es klarerweise nicht. Ausgerüstet mit Profilvorstag zum Setzten von 2 Vorsegeln inneinander zum schnelleren Segelwechsel (und damit das Schiff nie ohne Genau am Wind gefahren werden muß) wird die benötigte Genua (davon gibt’s 3 verschieden große plus Sturmfock) von unten aufs Vorschiff geschleppt. Allein fast unmöglich, aber bei einer Regatta muß das gesamte Gewicht auf der Kante bleiben. Also doch Schwerstarbeit, obwohl das Segel ja aus dem scheinbar so leichten Kevlar hergestellt ist. –Da kann ich nur sagen: Zum Glück sitz ich an der Großschot oder am Steuer! ;-)

(Für interessierte: Nachdem die 2. Genua angeschlagen ist, die 1. steht nach wie vor, wird diese in einer zweiten Nut am Vorstagprofil mit einem zweiten Fall hochgezogen. Wenn sie steht kann das „alte“ Vorsegel heruntergeholt werden.)
Nach 2 Schiffsüberstellungen und ein paar Trainings (eins davon sogar als Skipper) war es über Ostern endlich soweit. Die erste Regatta. Nur was kleines, um die Mannschaft besser einzuspielen und Regattaluft zu schnuppern, da die meisten hier noch eher unerfahren sind. Blöderweise wurden wir in die beste Klasse eingeteilt wo wir zusammen mit supermodernen Kohlefaserkonstruktionen an den Start gingen. Immerhin konnten wir in dieser sehr kleinen Gruppe mit nur 4 Schiffen (insgesamt werden es schon so 50 gewesen sein, ich hab leider keine Ergebnisliste) immer als Drittplazierter abschließen obwohl die anderen Schiffe allesamt eindeutig schneller waren als wir. Aber das wichtigste für mich. Ich habe extrem viel gelernt was den Segeltrimm betrifft, denn der Skipper war wirklich ein Ass und auf diesen großen Flächen sieht man den Unterschied im Trimm einfach fantastisch! Drei anstrengende Tage wo wir auch im Schiff schliefen. –Oder auch nicht, denn die Spanier, allesamt hundemüde, konnten sich es sich nicht nehmen lassen am Samstag noch wegzugehen. Naja, da wir alle ein wenig angeschlagen waren nur bis 3.00 Uhr, was für die Verhältnisse hier eigentlich gar kein Weggehen ist. Trotzdem lieferten wir am Sonntag eine super Wettfahrt wo wir in einem heißen Finish um den 3. Platz käpften.

Am Sonntag Abend nach 3 anstrengenden Regattatagen segelte ich mit einem zweiten Mann das Schiff von Gandía wieder Richtung Valencia. Das sind nur ca. 32 Seemeilen. Nach dem Tanken und überprüfen der Lichter liefen wir um 18.15 Uhr aus und setzten bei ca. 8kn Wind die große, alte Genua. (Um die Regattasegel zu schonen hab ich nur die Wahl zwischen der alten Genua und der Sturmfock) Das Großsegel wollte ich aus Sicherheitsgründen nicht hochziehen da ich erstens nur einen nicht allzu erfahrenen Mitsegler hatte und zweitens in die Nacht segelte. Zwar hatten wir die ganze Woche nur leichte Winde, doch von einer früheren Überführung weiß ich dass die Kaps hier sehr gefährlich sein können. Mit 5 bis 6 Knoten liefen wir bei Halbem Wind genau unserem Ziel entgegen. Ich schalte den Autopilot ein und mache mich über meinen Brotzeit, nachdem ich den ganzen Tag fast nichts gegessen habe. Währenddem flaut der Wind leicht ab und mit einem Bissen im Munde sehe ich an der Wasseroberfläche ein Kräuseln näherkommen. Ich freue mich jetzt doch nicht den Motor starten zu müssen. Zagg! Das Schiff krängt. Ich werfe meinen Semmel in den den Plastiksack und mach mich zum Steuer, Autopilot raus und abfallen während Ximo an der Genauwinsch fiert. 20 Knoten Wind und mit der uralten Genua schießen wir mit 10 Knoten Fahrt durchs Wasser. Ich muß weiter abfallen... Wir ziehen die Lifebelts an, das Wasser spitzt vom Bug übers ganze Schiff bis zu mir ans Steuer, und nachdem wir und noch einem Kap nähern entschließe ich mich der Sicherheit wegen das Segel wegzunehmen. Dies geht mit dem Autopilot auch zu zweit recht gut und wir motoren die restlich Strecke Richtung Valencia und gleichzeitig auch in die Nacht! Am Kap nimmt der Wind noch ein wenig zu und ich bin heilfroh kein Segel mehr gesetzt zu haben. –Naja, die Sturmfock wäre jetzt das richtige, aber da es ohnehin bald dunkel wird will ich uns das nicht mehr antun. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang funkeln die Sterne von See 3mal so hell wie man es von der Stadt gewohnt ist.

Christian

 


 

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Letzte Aktualisierung: 14.05.2008
© by Martin Maier